Guidelines für accessible eCommerce

Unsere Empfehlungen zur barrierefreien Gestaltung von Webshops für die ältere Generation und für Menschen mit Behinderungen sind online.

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Von Ende 2007 bis Ende 2009 führten wir ein Forschungsprojekt namens „Accessible E-Commerce“ durch, mit dem Ziel, die Benutzbarkeit von Online-Shops für ältere InternetnutzerInnen und Menschen mit Behinderungen zu optimieren. Das Forschungsprojekt wurde vom ZIT, der Technologieagentur der Stadt Wien, im Rahmen des Förderprogrammes „Vienna Enabled“ unterstützt.
Die nun im Internet verfügbaren Accessible eCommerce Guidelines sind ein Produkt dieses Forschungsvorhabens.

Noch mehr Richtlinien?

Für Barrierefreiheit im Internet gibt es längst international gültige Richtlinien. Die WCAG 2.0 gelten für eCommerce Websites genauso wie für alle anderen Internetangebote. Man braucht also keine weiteren Guidelines, um Barrierefreiheit im Internet zu definieren.

Es geht in unseren Empfehlungen deshalb weniger um die technischen Herausforderungen der Barrierefreiheit als um generelle Fragen der Benutzerfreundlichkeit von Webshops aus Sicht der speziellen Zielgruppen: der Generationen 50-, 60-, 70plus mit altersbedingten Einschränkungen und von Menschen mit Behinderungen.

Gibt es barrierefreien eCommerce?

Barrierefreie (WCAG konforme) Webshops sind derzeit die Ausnahme (ein bekannteres Beispiel ist Manufactum), und in fast allen Implementierungen am Markt bestehen große Mängel hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit für KundInnen mit Einschränkungen oder geringer Online-Kauferfahrung.

Der Bedarf nach zugänglicheren Webshops ist vorhanden. Statistische Erhebungen zeigen, dass die Zielgruppen, die davon profitieren, auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht zu vernachlässigen sind. Die Internetnutzung älterer Menschen ist im Steigen begriffen. Mit dem Steigen der Lebenserwartung nehmen aber auch die altersbedingten gesundheitlichen Einschränkungen zu. Bis zu 20% der europäischen Bevölkerung ist von einer dauerhaften Beeinträchtigung betroffen.

Eine direkte gesetzliche Verpflichtung, Webseiten barrierefrei zu machen, gibt es derzeit nur für die öffentliche Hand. Im Einzelfall können aber alle KundInnen, die ein Webshopangebot aufgrund nicht barrierefreier Gestaltung nicht nutzen können, gegen diese Diskriminierung vorgehen und – zumindestens in Österreich – ein Schlichtungsverfahren beantragen. Kommt es zu keiner Einigung, ist auch eine Klage möglich.

Stand der Dinge

Mehr Information und Unterstützung ist also sinnvoll, um die eCommerce Landschaft zugänglicher zu machen.
Die Accessible eCommerce Guidelines bauen auf dem bisherigen Forschungsstand auf und beziehen von uns durchgeführte Usability und Accessibility Tests von Webshops mit ein.

Eine Zusammenfassung unserer Literatur Recherchen findet sich ebenso online wie eine kurze Dokumentation der durchgeführten Benutzertests.

Getestet haben wir folgende Online-Shops:

  • amazon.de, quelle.de, geizhals.at – aufgrund ihrer Angebots- und Featurevielfalt, ihrer Bekanntheit und auch aufgrund ihrer Missachtung von Webstandards und Acessibilitykriterien.
  • oeticket.at – als österreichischer Marktführer und relativ überschaubarer, standardkonformer Ticketshop.
  • hausfreund.at – aufgrund des für Ältere interessanten Angebots der Lebensmittelzustellung, als kleiner, standardkonformer, auch gut zugänglicher Shop.

Die Guidelines sind nach 16 Kapiteln gereiht, die sowohl übergreifende Fragen als auch einzelne Shopfunktionalitäten betreffen, von emotionaler Wirkung bis zum Checkout. Beispiele von Nutzungsproblemen und gut gelösten Features aus den fünf getesteten Webshops ergänzen sie.

Die Webshops haben sich inzwischen weiterentwickelt, nicht immer zum Besseren. Der Webshop der Quelle ist gar nicht mehr online. Als typische moderne eCommerce Lösung der letzten Jahre ist er aber ein gutes Beispiel, das stellvertretend für die anderen großen Versandhäuser stehen kann.

Ein bewegliches Ziel

Das Internet verändert sich schnell. Die Guidelines sind zeitgebunden und ohne Vollständigkeits- und Perfektionsanspruch. Sie zeigen den momentanen Stand unserer Forschungsbemühungen.

Sie waren keine leichte Geburt. Jede empfohlene Maßnahme ist ein Spagat zwischen scheinbar selbstverständlichem Gemeinplatz und zu sehr ins Detail gehendem technischen Hinweis.

Was wir aber aus Benutzertests und langjähriger Beschäftigung mit Web Accessibility gelernt haben, ist, dass gar nichts selbstverständlich ist.

Wir wollen ShopbetreiberInnen ebenso wie ProgrammiererInnen von Webshops damit ansprechen und hoffen, dass der spezielle Fokus, die Perspektive von älteren NutzerInnen und solchen mit Behinderungen, auch eCommerce Fachleuten noch neue Einsichten gewährt und sie zum Hinterfragen und Weiterdenken von anscheinend bewährten Lösungen anregt.

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